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Geschichten aus dem Bergsommer

Tiere auf der Alm

Zeigt her eure Kühe

Rindvieh ist nicht gleich Rindvieh. Die Rassen sind so unterschiedlich, wie die Menschen es sind. Man muss nur genau hinsehen und hinhören. Drei Bauern erzählen.


Hoch, hoch oben über dem Zillertal, auf 1.600 Metern am Bruckerberg, liegt die Heinzletalm von Josef Dengg. Wer hier hinaufwill, muss ein geländegängiges Fahrzeug besitzen. Am besten ist es in alpiner Umgebung wie hier aber, ein geländegängiger Vierbeiner zu sein. Landwirt Josef hat vierzehn davon und ist gerade dabei, sein Grauvieh vor der Nacht im Freien zu versorgen. Untertags bleiben die Tiere als Schutz vor den lästigen Bremsen im Stall. Aber wenn die Dämmerung hereinbricht, schlägt die „graue“ Stunde. Davor hat Josef viel zu tun: füttern, melken, Stall putzen. Mit einer Schaufel scharrt er den Boden entlang. Kaum ist er bei der letzten Kuh angelangt, beginnt alles wieder von vorn. Wie heißt es so schön: „Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.“ Die Charakterisierung der Tiere würde sich gut in einer Kontaktanzeige machen: lebhaft, gutmütig, langlebig und so genügsam, dass es nicht einmal Kraftfutter braucht. Dazu kommen Widerstandsfähigkeit, Leichtfüßigkeit und nicht zu vergessen Trittsicherheit – ein wesentlicher Vorteil für ein Leben im extremen Gelände. Mit 15.000 Stück zählt Grauvieh zu den seltenen Nutztierrassen in Österreich, fünfzig davon leben im Zillertal und vierzehn im Stall von Josef Dengg. Er hält die Rinder nicht nur, sondern züchtet sie auch. Sogar eine „Miss Gauder“, gekürt bei einem der berühmten Gauderfeste, die jährlich am ersten Maiwochenende im Tal stattfinden, hat er hervorgebracht. Die Jury attestierte Sendrin, so ihr Name, ein gutes Erscheinungsbild, sicheren Tritt und eine ordentliche Milchleistung. Das ist es auch, was die Rasse neben dem vorzüglichen Fleisch auszeichnet: „Meine Kühe geben dreißig Liter pro Tag“, sagt Josef, stellt seine Schaufel ins Eck und treibt die Grauen hinaus in die bald schon schwarze Nacht.



Eine noch seltenere Art hat es dem Trieler-Sepp am Hinterberg angetan. Er züchtet Tux-Zillertaler, die wohl älteste Rinderrasse Tirols. Dass es sie heute noch gibt, ist auch Sepps Verdienst. Mitte des 19. Jahrhunderts waren bei den Pariser Zuchtausstellungen helle Rinderarten modern, da dunklere, wie die Tux-Zillertaler, als weniger leistungsfähig galten. Das dezimierte deren Bestand bis in die 1970er-Jahre enorm und änderte sich in Tirol erst 1986 mit der Gründung der Vereinigung der Tux-Zillertaler- Züchter. 2001 wurden die Tux-Zillertaler in Österreich sogar zur „Rasse des Jahres“ gewählt. „Wir sind Idealisten und wollen unbedingt mit diesen besonderen Rindern leben. Unser Wunsch ist, dass die Jungen schauen, wenn wir Alten einmal nicht mehr sind, dass die Rasse nicht ausstirbt.“

Wetten, dass ...?

Und jetzt auf nach Hochfügen auf die Schellenbergalm, um die Herde zu besuchen. Das letzte Stück legt Sepp zu Fuß zurück und schaut sich immer wieder im Gebiet nach seinen Tieren um. „Da sind sie“, lacht er und ruft: „Kitty, Kathi, Paula, Priska, Weindl!“ Einige Kühe heben den Kopf und kommen gemächlich auf den Sepp zu. „Da sind ja meine Viecherl.“ Die Viecherl sind nicht zu groß, haben ein recht breites Maul, auch Flotzmaul genannt, und einen kurzen Kopf. „Du kannst mir die Augen verbinden. Wenn ich meine Tiere am Kopf angreif, weiß ich, welches es ist.“ Das wäre doch eine schöne Herausforderung, sollte die einmalige „Wetten,dass …?“-Neuauflage von Anfang November sich doch wiederholen. „Als wir Mitte der Achtziger wieder mit dem Züchten begonnen haben, war reines Blut nicht mehr vorhanden. Wir haben das ganze Land abgesucht und die letzten fünfzehn Stück, die Restblut hatten, zusammengesammelt.“ Sepp selbst besitzt heute vierzehn Stück, in ganz Österreich gibt es 2.700 Tiere. Immerhin. So ist das Tux-Zillertaler Rind im heiligen Land wieder auferstanden.


Im Gegensatz zu den Tux-Zillertalern ist die Rasse, die Friedl Geisler züchtet, die meistverbreitete Österreichs. 1,5 Millionen Stück gibt es im ganzen Land. Bauer Friedls Damen grasen friedlich auf einer Weide der Schliffsteinalm in Ginzling. Als er in die Nähe kommt, schallen unzählige „Muuuhs“ durch die aufgeheizte Spätnachmittagsluft – als wär’s ein Wettbewerb um des Bauers Herz. Die Kühe lassen ihre langen rauen Zungen über Friedls Arm gleiten. Liebkosungen? „Gern haben s’ mich sicher, aber heute war’s heiß, und sie mögen die salzige Haut." Die Kuh-Damen sind dreizehn an der Zahl, was im Fall von Friedl ein deutig eine Glückszahl ist. „Früher war ich fanatischer Braunviehzüchter, aber dann war der Fortschritt beim Fleckvieh so groß, dass ich umgestiegen bin.“ Als Hauptgrund nennt er aber das ruhige Wesen der Tiere. „Sie sind so entspannt, dass ich mit ihrer Hilfe selbst runterkomme.“



Waschen, spülen, trocknen

Für Friedl steht das Wohl seiner Kühe an erster Stelle. Samt Schönheitsprogramm. „Ich mag es nicht, wenn die Kühe schmutzige Schwänze haben.“ Deshalb füllt er einen Kübel mit Wasser, gibt etwas Shampoo dazu und taucht die hinteren Enden wie Pinsel ein. Danach etwas drücken, nachspülen, und das Gletscherweiß ist wiederhergestellt. Beim Friedl geht’s aber auch um Leistung, Fortschritt und Aussehen. Seine Ansprüche sind nicht gerade klein. Er will einen sauberen Fuß, schöne Euter, einen mittelrahmigen Körper, und zu groß dürfen die Damen auch nicht sein. „Das wäre der Idealzustand“, sagt der Züchter, der seine Rinder sogar nach Aserbaidschan verkauft hat. „Fleckvieh ist der Rubenstyp. Ich hab aber auch eine Kuh, die zur Hälfte ein Holsteinrind ist. Sie ist magerer, quasi meine Kate Moss.“ Beim Abendessen langt aber auch Kate beim Heu ordentlich zu, während die Melkmaschine – Friedls „glückliche dreizehn“ geben durchschnittlich 9.000 Liter pro Jahr – rhythmisch ihren Dienst versieht. Nebenan steht Siri, Typ Rubens, und fragt sich manchmal vielleicht, warum Moss so dünn ist, obwohl sie gleich viel frisst. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bild: Bernhard Huber und Text: Barbara Reiter
Zillertal Magazin Ausgabe Sommer 2022

 

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