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Wunderwelt Wald

Dem Naturjuwel Wald auf der Spur

Wenn man das Zillertal mit Palmira Deißenbergers Augen betrachtet, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Schließlich kartiert und analysiert sie die sagenhaften 4.500 Hektar Wald des Tals! Ihre Erstdiagnose: Hier fühlen sich die Nadelbäume noch wohl.


Ein Baum braucht ungefähr 120 Jahre, bis er so weit gediehen ist, dass man ihn fällen, also sein Holz aus dem sogenannten „Wirtschaftswald“ ernten kann. Sofern er natürlich gesund und schön gewachsen ist und viele weitere Parameter stimmen. Um optimale Rahmenbedingungen für das Aufwachsen gesunder Wälder zu gewährleisten, ist eine ständige Pflege der Waldbestände essenziell. Aus diesem Grund ist Palmira Deißenberger seit Monaten in den Zillertaler Wäldern unterwegs. Die 27-jährige Österreicherin ist von Berufs wegen Forsteinrichterin bei den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf). Das bedeutet, sie ist eine Baumexpertin, die als eine Art Schutzengel des Waldes fungiert. Also analysiert und kartiert sie, begutachtet und protokolliert sie. Stets verfolgt sie das Ziel, eine möglichst exakte Diagnose über den Zustand diverser Waldstücke zu erstellen. Eine Inventur des Waldes sozusagen, um den Grundbesitzern bei der erfolgreichen Bewirtschaftung ihrer Baumbestände zu helfen. „Und um die Gesundheit der Bäume zu erhalten“, ergänzt Palmira rasch.



Reich an seltenen Vögeln
Jetzt geht’s zunächst einmal um eine erste Bestandsaufnahme und Beurteilung der Zillertaler Wälder durch die Fachfrau: „Im Vergleich zu vielen anderen Gebieten sind die Nadelbaumbestände hier noch sehr gesund“, nickt Palmira mit dem Kopf. Schließlich seien durch den Klimawandel und die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers in vielen anderen Teilen Mitteleuropas schon beträchtliche Waldstücke in Mitleidenschaft gezogen worden. „Schaut, seht ihr hier am Stamm?“ Palmira deutet mit ihrem mannshohen Haselstock, der ihr im Unterholz als „drittes Bein“ dient, auf kleine Löcher unter einem dicken Astloch. „Das war ein Schwarzspecht“, sagt sie freudig. Ist doch die Anwesenheit von Spechten und anderen Vogelarten ein wichtiger Indikator für Palmiras Arbeit: „Vögel wie Spechte, Auerhuhn und -henne oder Raufußkauz stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Wo diese Arten leben, weiß man: Der Lebensraum ist intakt.“ Ansonsten erkennt man die besondere Vogelpräsenz jedoch vorwiegend an den Federn. Diese sammelt die studierte Forstexpertin übrigens gerne ein, um sie sich an ihre Hutkrempe zu stecken. „Das sind meine kleinen Trophäen“, schmunzelt Palmira und deutet auf das Federbüschel, das ihre geliebte Kopfbedeckung ziert. Ja, hier im Zillertal hat Palmira bereits von einigen seltenen Vögeln Federn aufgelesen.

„Ich sammle seltene
Vogelfedern und stecke
sie mir als kleine Trophäen
an die Hutkrempe.“

Palmira Deißenberger, Forsteinrichterin
der Österreichischen Bundesforste

Worauf es im Wald wirklich ankommt

Doch natürlich muss am Ende ihrer Arbeit die Expertise auf viel genaueren Daten fußen als auf noch so hübschen Tierspuren. Also führt Palmira in ihrem Rucksack eine ganze Reihe an Spezialgeräten mit (siehe links), die das wissenschaftliche Fundament ihrer Arbeit bilden. Vereinfacht kann man diese übrigens so beschreiben: Eine Forsteinrichterin wie sie nutzt den Sommer, um ein gewisses Waldareal zu analysieren, und den Winter danach, um die von ihr erfassten Aufnahmen in die Datenbank der ÖBf einzutragen. Das ist im Bundesforste- Revier Hinteres Zillertal eine Fläche von ungefähr 4.500 Hektar Wald, die es zu erfassen gilt! Ein großer Teil davon wird zu Fuß erkundet


und Veränderungen mittels GPS in einem Tablet vermerkt. Nicht begehbare Waldstücke werden mit Fernstechern oder inzwischen auch mithilfe von Drohnen aus der Luft begutachtet. Am Ende erstellt Palmira für jedes Gebiet zusätzlich einen Maßnahmenkatalog – der reicht von Erntevorgaben bis zu Hinweisen über möglichen Käferbefall oder andere Gefahren. Und weil sich Palmira Deißenberger nicht bloß als forschende Wissenschaftlerin durch das Unterholz schlägt, sondern im offiziellen Auftrag der Bundesforste, sind ihre Erhebungen nicht nur ein wertvoller Wissensgewinn für den Waldbesitzer, sondern auch Leitlinien der Waldbewirtschaftung für die nächsten zehn Jahre.



Eine Expertise für die Zukunft
Nur so sei es möglich, das Naturjuwel Wald zu erhalten, betont die Baumforscherin. Und da bedarf es gerade in Zeiten der Klimaerwärmung, in denen sich Waldschädlinge wie der Borkenkäfer immer stärker vermehren, besonderer Aufmerksamkeit. „Obwohl wir in der Forstwirtschaft in langen Zeitdimensionen denken, muss gerade bei diesen akuten Gefährdungen oft sehr schnell und kompromisslos gehandelt werden“, mahnt Palmira Deißenberger. Nur dann ist es möglich, dass ihre Wald diagnose – wenn sie oder einer ihrer zwölf Kollegen in zehn Jahren wiederkommt – genauso ausfällt wie in diesem Jahr: gesund.

Bild und Text: Bernhard Huber | Johannes Stühlinger
Zillertal Magazin Ausgabe Sommer 2020

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