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Geschichten aus dem Naturpark

 

Der Mann entschlüsselt den Code der Erde

Geologe Thomas Hornung hat sich aufgemacht, um den Gesteinscode des Zillertals zu dechiffrieren. Die Ergebnisse sollen nun Wanderer auf spannende Pfade locken.


Er kneift die Augen zusammen, deutet über den Schlegeis Stausee hinweg Richtung Hochfeiler. „Das ist der höchste Gipfel der Zillertaler Alpen“, holt Thomas Hornung aus, dann fährt der Geologe fort: „An dessen Gipfel sieht man sehr gut, warum die Region hier aus geologischer Sicht so besonders ist.“ Wie eine Art Blätterteig kann man mit freiem Auge die unterschiedlichen Gesteinsschichten ausmachen. „Zuunterst: die europäische Kruste. Dann liegt eine Sedimentüberdeckung darüber, das sind diese hellen Kalkbänder. Darauf aufgeschoben: ehemalige Ozeansedimente eines kleinen Randozeans.“ Wenn man dem 48-Jährigen lauscht, wird schnell klar, wie fasziniert der international erfahrene Gesteinsexperte von den Zillertaler Alpen ist. „Weil man hier bis zu 700 Millionen Jahre tief in die Erdgeschichte blicken kann“, erzählt er mit leuchtenden Augen.



Wie eine Geologische Landkarte entsteht

Bevor wir uns aber auf die gedankliche Reise Richtung in Fels gegossene Erdgeschichte machen, werfen wir erst einmal einen kurzen Blick in die jüngere Vergangenheit. Nicht ganz vier Jahre ist es her, dass Thomas Hornung von Willi Seifert, Leiter des Hochgebirgs-Naturparks Zillertaler Alpen, mit der Erstellung einer geologischen Karte beauftragt wurde. Ein ambitioniertes Unterfangen, galt es doch, ganze 700 Quadratkilometer Berge, Täler, Schluchten und Gipfel zu erfassen. „Die ersten sieben Monate war ich allerdings nur damit beschäftigt, am Schreibtisch bestehendes, altes lesen. „Mein Beruf ist es in gewisser Weise, diesen Code der Erde zu entschlüsseln und für andere zu übersetzen“, erklärt Hornung. Deshalb versteht er seinen Beruf auch nicht ausschließlich darin, hochkomplexe Karten zu erstellen, die ausschließlich von anderen Experten verstanden werden. Vielmehr verfolgt
er als Forscher das klare Ziel, seine Erkenntnisse für eine möglichst breite Öffentlichkeit zugänglich und vor allem verständlich zu machen. Und genau das ist auch der größte gemeinsame Nenner zwischen dem Tun von Wissenschafter Thomas Hornung und dem Wunsch von Naturpark-Leiter Willi Seifert. „Uns war es beiden wichtig, aus diesem Datenschatz möglichst viel zu generieren“, erklären die zwei unisono.

„Mit diesen Büchern kann
man sich selbst aufmachen,
um den geologischen
Erkenntnissen zu folgen.“

 

Tiefe Einblicke für alle

Aus heutiger Sicht lässt sich getrost behaupten: Dieses Ziel wurde wahrlich erfüllt. So entstanden neben der nun für die nächsten Jahrzehnte gültigen hochdetaillierten geologischen Karte gleich mehrere Produkte. Vor allem die zwei Buchbände „Wanderung in die Erdgeschichte“ (siehe Kasten S. 87) machen die Geologie des Zillertals für jeden Interessierten greifbar, wie der Naturpark-Chef erklärt: „Mit diesen Büchern kann man ohne zusätzlichen Guide ins Gelände aufbrechen und den Entdeckungen von Thomas Hornung folgen.“ So sind die Bücher nicht bloß mit Tourenbeschreibungen, Erklärungen und Fotos versehen, sondern zudem mit ausgeklügelten Visualisierungen und Überblendungen gespickt. Kartenmaterial zu sichten und zu digitalisieren“, erinnert sich der Fachmann. Doch dann ging’s für ihn endlich raus in die freie Natur. Stets mit dabei: ein hochaufgelöstes Geländemodell in Form eines Laserscans, diverse Karten, ein präzises GPS-Gerät, ein Kompass, ein Geologenhammer und ein wasserfestes Notizbuch. „Alles analog“, schmunzelt der passionierte Bergsteiger. Schelmischer Nachsatz: „Damit mir nie der Strom ausgehen kann.“ Jedenfalls: 70 Geländetage, etwa 800 Kilometer Wanderstrecke, knapp 100.000 Höhenmeter in Auf- und Abstieg, viele hundert gemessene Datenpunkte und circa 2.000 geschossene Fotos später waren die Basiszutaten für steinreiche Erkenntnisse und das Finalisieren der geologischen Karte der Zillertaler Alpen fertig gesammelt.


Der Code der Berge

Tatsächlich erschließen die Zillertaler Alpen mit dem „Tauernfenster“ die größte derartige geologische Struktur der Ostalpen: „Aufgrund der Kollision der europäischen Kontinentalplatte mit einem kleinen Kontinentalsplitter namens ,Adria‘ sind hier Teile der Erdkruste fensterartig an die Oberfläche gekommen, die eigentlich in 20 Kilometern Tiefe liegen“, holt der Fachmann aus. Heißt im Klartext: Wenn man weiß, wonach man Ausschau halten muss, kann man in den Zillertaler Alpen tatsächlich die Vergangenheit unseres Planeten Schlussendlich ermöglicht jedes Kapitel nicht bloß eine hochinteressante Wanderung durch die aus geologischer Sicht spannendsten Gebiete des Zillertals, jede Seite hilft vielmehr beim Entschlüsseln dessen, was man sieht. „So wie diese Struktur des Hochfeilers zum Beispiel“, sagt Hornung und deutet auf die dazugehörige Seite in seinem Buch. Wer übrigens bei diesen ganz speziellen Wanderungen besonders genau hinsieht, kann womöglich wahrlich außergewöhnliche Raritäten ausfindig machen. Denn: Die geologische Auffaltung der Erdkruste liefert nicht nur Einblicke in die Erdgeschichte. Sie hat auch gerade für das kristalline Gebiet besonders seltene Fossilien – sogenannte Ammoniten – an die Oberfläche gebracht. Vor allem aber edle Steine wie Amethyste, Bergkristalle oder Granate.



Warum Goethe steinreich war

Die Erkenntnisse der Geologen und spektakuläre Kristalle wiederum bilden die dritte Facette der in diesem Fall eben gar nicht trockenen Forschungsarbeit. „Die neue Ausstellung in unserem gänzlich neuen Naturparkhaus fußt auf diesen Daten und Erkenntnissen“, erklärt Willi Seifert stolz. Auf 500 Quadratmetern kann man hier seit Neuestem (siehe Kasten rechts) sowohl Hornungs Erkenntnissen folgen als auch spektakuläre Kristallfunde bestaunen. Kleines Lernbeispiel daraus: Johann Wolfgang von Goethe hatte zu Lebzeiten ein Faible für Kristalle aus den Zillertaler Alpen entwickelt und mehrere Kristalle für seine Privatsammlung angekauft. Einige Stücke aus seiner Kollektion sind nun in der Ausstellung zu finden – inklusive geologischer Details natürlich.

Bild: Thomas Straub, Flo Smith  Text: Johannes Stühlinger
Zillertal Ganzjahresmagazin Ausgabe 2024

 

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